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Alfred Baeumler – Wikipedia

Alfred Baeumler

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Alfred Baeumler (* 19. November 1887 in Neustadt an der Tafelfichte; † 19. März 1968 in Eningen unter Achalm) war Nationalsozialist, deutscher Philosoph und Pädagoge. Er spielte eine führende Rolle bei der Gestaltung der Erziehung im Nationalsozialismus.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Nach dem Studium in Berlin und Bonn in den Disziplinen Philosophie und Kunstgeschichte promovierte Baeumler 1914 in München zu dem Thema Das Problem der Allgemeingültigkeit in Kants Ästhetik. Ab 1924 lehrte er nach der Habilitation in Dresden als Privatdozent an der Technischen Hochschule Dresden, wurde dort 1928 Extraordinarius und 1929 Ordinarius. Im Jahre 1933 wurde er nach Berlin auf einen Lehrstuhl für Philosophie und Politische Pädagogik berufen und stand dem Institut für Politische Pädagogik als Direktor vor. Nach Ernst Niekisch, mit dem er eng befreundet war, hatte er in den ersten Jahrgängen der Zeitschrift Widerstand unter den Pseudonymen „Leopold Martin“ und „Wolf Ecker“ Beiträge geschrieben[1].

Schon zu den Reichstagswahlen von 1932 hatte sich Baeumler mit anderen Philosophen offen für die Wahl zur NSDAP bekannt[2]. Ursprünglich stand Baeumler den Bündischen und den Jungkonservativen nahe, wandte sich aber dann dem Nationalsozialismus zu. Im Jahre 1933 beantragte er am 1. Mai die Aufnahme in die NSDAP[3].

Am 10. Mai 1933 hielt Baeumler seine Antrittsvorlesung „Wider den undeutschen Geist“ im Rahmen seines Kollegs „Wissenschaft, Hochschule, Staat“ im Hörsaal 38 der Berliner Universität. Der große Hörsaal war überfüllt, und der größte Teil der Studenten war in der Uniform der SA erschienen. Zu Beginn der Vorlesung marschierte eine studentische Fahnenabordnung mit dem Hakenkreuzbanner ein. Das wenig beachtete Schlüsselzitat dieser Vorlesung lautet wie folgt: „Politik können nur die machen, die sie auch zu verantworten haben. Es gibt wohl eine Philosophie und Wissenschaft der Politik, aber nicht eine wissenschaftliche Politik und ebensowenig eine politische Wissenschaft. Der Gedanke muß sich vor dem Gedanken verantworten.“[4]

Später dann formiert sich der Zug der Fackelträger – jedoch ohne Baeumler an der Spitze – zum Opernplatz. Dort entsteht durch Verbrennung von 20.000 Büchern, so der Völkische Beobachter, symbolisch der „deutsche Geist“. 1934 fordert Baeumler als studentisches Ideal den „politischen Soldaten“[5], die Einrichtung von „Männerhäusern“ und den Ausschluss des „Weiblich-Demokratischen“. Martin Heidegger kritisierte sowohl Baeumler als auch Ernst Krieck, da es deren Vorstellungen an Tiefe mangele und weil sie das nationalpädagogische Leitbild des „politischen Soldaten“ durch äußerliche Schulungsprogramme und militärische Ausbildung verwirklichen wollten. Bäumler war Amtsleiter des Amtes Wissenschaft des Beauftragten des Führers für die Überwachung der geistigen Schulung und Erziehung der NSDAP, d. h. Verbindungsmann von Alfred Rosenberg zur deutschen Universitäts- und Geisteswelt.[6]

Zum 50. Geburtstag von Adolf Hitler schrieb Baeumler 1939 einen Beitrag in der Festschrift Deutsche Wissenschaft. Zu dieser Zeit galten Ernst Krieck und Baeumler „als die beiden führenden Philosophen des Nationalsozialismus“[7]. Reichsminister Alfred Rosenberg hatte 1934 Baeumler zum „Amtsleiter des Amtes Wissenschaft des Beauftragten des Führers für die Überwachung der geistigen Schulung und Erziehung der NSDAP“ ernannt, wobei er als Verbindungsmann Rosenbergs zu den Universitäten wirkte. In diesem Sinne arbeitete Baeumler auch als Herausgeber der Internationalen Zeitschrift für Erziehung und ab 1936 der Zeitschrift Weltanschauung und Schule.

Nach 1945 wurde Baeumler für drei Jahre in den Lagern Hammelburg und Ludwigsburg interniert.

[Bearbeiten] Zur Nietzsche-Ausgabe

Nach Ablauf der Schutzfrist hatte Bäumle im Alfred-Kröner-Verlag eine weit verbreitete Nietzsche-Ausgabe herausgebracht, die auch Nachlass-Texte in Auswahl enthält. Später (1943) wurde diese Edition durch einen übersichtlichen Registerband des Bibliothekars Richard Oehler sinnvoll erschlossen.

[Bearbeiten] Pädagogisch-philosophische Ansichten im NS-Blickfeld

[Bearbeiten] „Rasse als Grundbegriff der Erziehungswissenschaft“

In dieser Schrift aus dem Jahre 1942 zeigt Baeumler, wie im NS-Regime die Begriffe der Rasse und der Vererbung eine hervorragende Bedeutung und Größe besitze. Weiterhin weist er darauf hin, dass der Begriff der „Bildsamkeit des Menschen“ bisher falsch aufgefasst worden sei. Dieser Nachweis sei durch das Rassedenken zu erbringen. Ein weiteres Hindernis sieht er im Vorurteil des Intellektualismus. Nach seiner Ansicht nimmt der Intellektualismus an:

  1. dass der Mensch als reine, d. h. unbestimmte Anlage (tabula rasa) zur Welt komme;
  2. dass die Umwelt die Macht habe, auf diese Tafel zu schreiben, was sie wolle;
  3. dass das Organ, mit dem sich der Mensch auf die Welt beziehe, der Intellekt sei;
  4. dass das Handeln des Menschen durch den Intellekt geleitet werde und daher durch Beeinflussung des Intellekts entscheidend zu beeinflussen sei.

Aus dieser intellektualistischen Annahme würde der Begriff der „unbeschränkten Bildsamkeit“ abgeleitet. Die Erziehungswissenschaft gehe nicht vom wirklichen Menschen aus, das Erziehungsziel sei der Mensch an sich, wie es ihn nie gegeben habe und nie geben werde. Der Erfolg der Erziehung ergebe sich aus der richtigen Anwendung der Mittel. Alle Erziehungstheorie besitze keinen Grund und Boden, wenn sie sich nicht auf gesicherte wissenschaftliche Menschenkunde stützen würde. Die Gegner der lebens- und rassekundlichen Erziehungswissenschaft würden immer noch mit einer historisch überholten Menschenkunde arbeiten. Es käme auf das richtige Verhältnis von Intelligenz und Charakter an. Daraus würde eine realistische Theorie der Erziehung erwachsen.

Deshalb würde es von größter Bedeutung sein, Charakter und Intelligenz zu bilden. Im rassekundlichen Denken würde nicht einem Prinzip der unbeschränkten Bildsamkeit das Prinzip der beschränkten Bildsamkeit entgegengesetzt, sondern dadurch würde erst das wahre Prinzip der Bildsamkeit „entdeckt“. Die Einheit des Charakters bestehe nicht in seiner statisch-ruhenden Natur, sondern in seinen dynamisch bewegten Momenten. Es sei die Einheit der Richtung. An diese Einheit schließe sich die Bildung an; niemals sei diese Einheit über Intellekt und Umwelt hervorzubringen.

Aus der relativ unbestimmten Richtung der Einheit entspringe die Aufgabe der Erziehung. Nur durch die bildende Wirkung der anderen gelange die Seele zu sich selbst, werde sie, was sie ist. Am Ende der Erziehung stehe die klare bestimmte Form, die Form des „Typus“. Und zu diesem gelange er nur, indem er durch die Gemeinschaft erzogen wird. Mit der Einsicht in den unmöglichen Begriff der „unbeschränkten Bildung“ verfalle auch der Begriff jeder „Beschränkung“ durch erzieherische Maßnahmen:

„Die Limitation ist nicht eine Erfindung der rassekundlichen Erziehungswissenschaft, sondern ein Wesensmerkmal des Menschen“.

[Bearbeiten] „Die deutsche Schule und ihr Lehrer“

In dieser Schrift aus dem Jahre 1942 erläutert Baeumler, was er unter politischer Pädagogik versteht. Dabei sagt er aus, dass das „Wörterbuch der erbarmenden Liebe“ den Nationalsozialisten nicht zur Verfügung stehen würde. Er interpretiert das Wort „neu“ und behauptet dabei Inhalte, die es in dieser einfachen Erklärung nie gegeben hat. Pestalozzi und Herbart sind für ihn klassische Muster, die erst durch die „neue Zeit“ überboten wurden. Die Rolle des Lehrers solle vom Politischen her „in Bewegung“ gesetzt werden. Die Pädagogik könne diese Rolle nicht übernehmen. Für ihn sind geschichtliche Epochen der Ernte erst geeignet, dass ein geistiger Gehalt „jenen Grad seiner Durchformung erreicht, in dem er lehrbar wird“.

„Auch das nationalsozialistische Zeitalter wird die Schule hervorbringen, die Geist von seinem Geiste ist, aber wir müssen uns bewusst sein, dass wir am Anfang der neuen Bildung stehen.“ Erst nachdem das neue Weltbild von Künstlern und Denkern seine „Durchformung“ erfahren habe, werde es der Schule als Lehrstoff übergeben. Von der Erringung des Weltbildes selbst sei aber die Schule ausgeschlossen. Somit resultiert bei Baeumler die Schule als Objekt und Vermittler des Durchgeformten von gestern. Andererseits sieht er die Schule als einen Ort, der Sinn und Gehalt aus der ringenden Volksgemeinschaft erhält, womit sie auch notwendig am geschichtlichen Auf und Ab der Dinge teilnehme. Damit sei sie nicht mehr unabhängig vom Leben, sondern ein Stück völkischen und geschichtlichen Lebens selber, und dessen Gesetzen könne sie sich nicht mehr entziehen.

[Bearbeiten] „Die neue Lehrerbildung“

In dieser Schrift aus dem Jahre 1942 beschäftigt sich Baeumler mit der Neuregelung der Lehrerbildung. Dabei geht er von der Lehrerbildungsanstalt aus, die zu dieser Zeit nach der Entscheidung von Adolf Hitler die endgültige Form angenommen hatte. Er erklärt diese Maßnahme mit „Notwendigkeiten des nationalen Daseins“ und „Gegebenheiten der Sache“. Damit drückt er, ohne es darzustellen, indirekt aus, dass die Pädagogik nur noch das Produkt der NS-Ideologie geworden war.

Für ihn steht in der Ausbildung der Lehrer die Konzeption des „Lagers“ ganz oben, wo eine „pädagogische Atmosphäre“ herrsche. Ohne diese NS-Konzeption näher zu schildern, sei es hinreichend, das diesbezügliche Vokabular anzuführen: „Gemeinschaftsleben“, „Erlebnis“, „innere Anteilnahme“, „Schullager“, „Bereitschaft“, „verehrendes Herz“, „Wunder“, „reden hieße zerreden“, „Luft erzieherischen Lebens“ u. a.

[Bearbeiten] Schriften von Alfred Baeumler

  • Kants Kritik der Urteilskraft. Ihre Geschichte und Systematik, Band 1, 1933
  • Bachofen der Mythologe der Romantik, 1926 (Neuauflage als Das mythische Weltalter, 1965 mit neuem Nachwort Bachofen und die Religionsgeschichte)
  • Hegels Philosophie des Geistes und Rechtsphilosophie
  • Nietzsche der Philosoph und Politiker, 1931
  • Ästhetik, Handbuch der Philosophie
  • Studien zur deutschen Geistesgeschichte, 1937
  • Handbuch der Philosophie, 1931 (mit Manfred Schröter)
  • Was bedeutet Herman Wirth für die Wissenschaft?, Hrsg., 1932
  • Handbuch der deutschen Lehrerbildung, (Hrsg.)
  • Der politische Student, in: Der Deutsche Student, Heft 1, S. 3-9
  • Männerbund und Wissenschaft, 1934
  • Das Reich als Tat. Rede bei der Reichsgründungsfeier der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin am 18. Januar 1934
  • Politik und Erziehung. Reden und Aufsätze, 1942
  • Rasse als Grundbegriff der Erziehungswissenschaft, in: Bildung und Gemeinschaft, 1942, S. 81-85
  • Die deutsche Schule und ihr Lehrer, in: Bildung und Gemeinschaft, 1942, S. 98-108
  • Die neue Lehrerbildung, in: Bildung und Gemeinschaft, 1942, S. 74-80
  • Bildung und Gemeinschaft, 1942
  • Weltdemokratie und Nationalsozialismus, 1943
  • Alfred Rosenberg und der Mythus des 20. Jahrhunderts, 1943
  • Das Irrationalismusproblem in der Ästhetik und Logik des 18. Jahrhunderts bis zur Kritik der Urteilskraft, 1967 (Neuauflage von "Kants Kritik und Urteilskraft", 1. Auflage, Halle an der Saale, 1923).

[Bearbeiten] Literatur

  • Thomas Laugstien: Philosophieverhältnisse im deutschen Faschismus Hamburg: Argument, Hamburg 1990 ISBN 3-88619-169-9
  • Richard Krummel Nietzsche und der deutsche Geist Band 1.: Ausbreitung und Wirkung des Nietzeschen Werkes im deutschen Sprachraum bis zum Todesjahr des Philosophen Berlin: de Gruyter, 1974 ISBN 3-11-004019-0
  • Ernst Nolte Zur Typologie des Verhaltens der Hochschullehrer im Dritten Reich. In: Aus Politik und Zeitgschichte, Beilage B 46/65 zur Wochenzeitung "Das Parlament" vom 17. November 1965
  • Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch Graz: Ares-Verlag, 2002 ISBN 3-902475-02-1, (S. 479)
  • Barbara Schneider: Die Höhere Schule im Nationalsozialismus (Beiträge zur historischen Bildungsforschung 21) Köln u.a.: Böhlau Verlag 2000, S. 221-276 ISBN 3-412-03500-9
  • Christian Tilitzki: Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich Berlin: Akademie-Verlag, 2002 ISBN 3-05-003647-8
  • Sandro Barbera: "Er wollte zu Europa, wir wollten zum 'Reich'". Anmerkungen zu den Nietzsche-Interpretationen von Alfred Baeumler. In: Nietzsche nach dem ersten Weltkrieg, Bd. 1, Hrsg. von Sandro Barbera und Renate Müller-Buck, Pisa: Edizione ETS, 2006, S. 199-234
  • Ulrich Fröschle, Thomas Kuzias: Alfred Baeumler und Ernst Jünger. Mit einem Anhang der überlieferten Korrespondenz und weiteren Materialien Dresden: Telem, 2008, ISBN 393988801X

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. A. Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland. Stuttgart 19995, S. 479.
  2. T. Laugstien: Philosophieverhältnisse im deutschen Faschismus. S. 27.
  3. T. Laugstien: Philosophieverhältnisse im deutschen Faschismus. S. 203.
  4. Männerbund und Wissenschaft, S. 130.
  5. Männerbund und Wissenschaft, 1934
  6. Léon Poliakov/Josef Wulf: Das Dritte Reich und seine Denker. Berlin, 1959.
  7. E. Nolte: „Zur Typologie des Verhaltens der Hochschullehrer im Dritten Reich“. In: Aus Politik und Zeitgschichte, Beilage B 46/65 zur Wochenzeitung Das Parlament, 17. November 1965.

[Bearbeiten] Weblinks

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