Kegeln
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kegeln ist eine Sportart, bei der der Spieler zumeist von einem Ende einer glatten Bahn (Kegelbahn) aus mit kontrolliertem Schwung eine Kunststoffkugel ins Rollen bringt, um die am anderen Ende der Bahn aufgestellten neun Kegel umzulegen. Es besteht eine Verwandtschaft mit dem Bowling: Beim traditionellen Kegeln gibt es neun Kegel, beim Bowling dagegen zehn (die Pins genannt werden). Kegeln wird auch als Präzisionssport bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Bahnarten
Der Kegelsport wird in Deutschland auf vier verschiedenen Bahnarten betrieben: Asphalt- (Classic-), Bohle-, Scheren- und Bowlingbahn. Auf jeder dieser Bahnarten, deren Verteilung außer beim bundesweit anzutreffenden Bowling regional unterschiedlich ist, finden eigene Meisterschaften, Ligenspiele, Vereinspokale und Turniere im Rahmen der jeweiligen Sportordnung statt. Darüber hinaus werden alljährlich nach vorheriger Qualifikation über die Länder bundesweit die Deutschen Meisterschaften auf Dreibahnen ausgetragen: Hierbei müssen sich die Sportler nacheinander auf den drei Bahnarten Bohle, Schere und Asphalt/Classic bewähren und dabei die recht unterschiedlichen Kegeltechniken anwenden.
Allen Bahnarten ist das Ziel gemein, die größtmögliche Anzahl von Kegeln mit einem Wurf (Schub) umzuwerfen. Eine weitere Variante des Spiels ist es, bestimmte Konstellationen von Kegeln (Kegelbilder) zu werfen.
[Bearbeiten] Asphaltbahn (Classicbahn)
Der Anlauf und die Auflagebohle (Länge: 5,5m-6.5m, Breite: 0,35 m) bestehen aus Linoleum. Die Kugellauffläche besteht aus Asphalt oder Kunststoff und hat über die gesamte Länge von 19,50 m einen Breite von 1,50 m. Für einen optimalen Kugellauf muss der Belag vollkommen glatt sein. Die gesamte Lauffläche liegt waagerecht. Die Asphaltbahn wird überwiegend im süddeutschen Raum (Baden-Württemberg, Bayern) in Hessen, Rheinland-Pfalz und Berlin sowie in allen neuen Bundesländern (Ausnahme: Mecklenburg-Vorpommern) gespielt. International ist die Asphaltbahn in 19 Ländern (darunter Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, den Nachfolgestaaten den ehemaligen Jugoslawien, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn und Rumänien) verbreitet.
[Bearbeiten] Bohlebahn
Der Anlauf und die Auflagebohle (Länge: 5,50 m, Breite: 0,35 m) bestehen aus Linoleum. Die Kugellauffläche besteht aus Holz oder Kunststoff und ist gekehlt. Wie die Scherenbahn hat auch die Bohlebahn eine Gesamtsteigung von 10 cm vom Beginn der Auflagebohle bis zum Kegelstand. Aufgrund der Maße der Lauffläche (23,50 m Länge und 0,35 m Breite) ist auf der Bohlenbahn Abräumen nicht möglich und es kann nur in die Vollen gespielt werden. Auf Bohlebahnen wird hauptsächlich in Norddeutschland (Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein), in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie international in Dänemark, Polen und Namibia gespielt
[Bearbeiten] Scherenbahn
Der Anlauf und die Auflagebohle (Länge: 5,50 m, Breite: 0,35 m) bestehen aus Linoleum. Bei Kunststoffbahnen ist die Aufsatzbohle auch sehr oft aus Kunststoff. Die Kugellauffläche besteht aus Holz oder Kunststoff und ist gekehlt (3,6mm - 4,0mm). Die Bahn hat eine Gesamtsteigung von 10 cm vom Beginn der Auflagebohle bis zum Kegelstand. Die Lauffläche hat von der Aufsatzbohle bis zur Schere auf einer Länge von 9,5 m eine Breite von 0,35 m und verbreitert sich dann auf einer Länge von 8,5 m scherenartig bis auf 1,25 m beim Kegelstand. Scherenbahnen sind im westdeutschen Raum (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland) sowie im südlichen Niedersachsen und in Hessen verbreitet, im Ausland in den Benelux-Ländern, in Frankreich, Italien und Brasilien.
[Bearbeiten] Bowlingbahn
- Hauptartikel: Bowling
Die Bowlingbahn ist von den oben genannten Kegelbahnen völlig verschieden. Statt neun Kegeln werden zehn Pins aufgestellt. Die Auflagebohle besteht aus der gesamten Bahnbreite, und Anlauf und Lauffläche entweder aus Holz oder Kunststoff. Die gesamte Lauffläche liegt waagerecht. Sie hat eine Länge von 18,30 m und eine Breite von 1,05 m.
[Bearbeiten] Vom Kegelbub zur elektrischen Bahn
Beim Kegeln in Gaststätten und bei Turnieren war es früher üblich, dass ein 'Kegelbub' (oft Sohn eines Clubmitgliedes) die Kegel gegen Bezahlung entsprechend den jeweiligen Regeln (z.B. Abräumen) wieder aufstellte und die Kugel zurückrollte. (Karl May traf - laut seiner Autobiographie - als Kegelbub die ersten "Rückkehrer", die ihm von den USA erzählten).
Seit den 1950er-Jahren wurden die Kegelbuben durch elektrische Kegelbahnen verdrängt. Diese zeigen auf einem Display die umgefallenen Kegel an, stellen die Kegel selbsttätig auf und befördern die Kugeln elektrisch zurück. Während anfangs noch die einzelnen Hubvorrichtungen von Hand (über Drucktaster) bedient wurden, übernehmen computergesteuerte Anlagen inzwischen komplette Spielabläufe: Aufstellen der Kegel, zählen von Punkten, Foulanzeige per Lichtschranke etc.
Bei elektrischen Bahnen werden die Kegel entweder an Seilen hochgezogen und - nach dem "Auspendeln" - abgestellt, oder sie werden von einem "Rechen" in eine Grube am Bahnende gefegt und mit einer Förderanlage in die Halterung befördert, die sie auf der Bahn abstellt. Diese Lösung ist zwar technisch komplexer, vermeidet jedoch das Problem der verhedderten Seile. Sie hat sich deshalb besonders auf großen Bowlinganlagen - wo ein Eingreifen des Personals besonders schwierig ist - rasch durchgesetzt.
[Bearbeiten] Besonderheiten
[Bearbeiten] Bundeskegelbahn
Eine Bundeskegelbahn entspricht besonderen Kriterien, die von dem Landesfachverbandverantwortlichen abgenommen wird. Außer Anforderungen an Abmessungen, Aufbau, Steuerung usw. müssen auch Umkleidekabinen oder Duschen für Turnieraustragungen abgenommen werden.
[Bearbeiten] Platzbahnkegeln
Eine regionale und besondere Form des Kegelns, die auch von der sonst üblichen Technik total abweicht, ist das Platzbahnkegeln, das als Wettkampfsport traditionell nur im Mansfelder Land im südlichen Sachsen-Anhalt vorkommt. Hier wird die hölzerne Kugel nicht gerollt, sondern aus einer Entfernung von 6,50 Metern von einer markierten Standfläche aus auf die neun Kegel geworfen. Zum Schutz der anderen Spieler und der Zuschauer befindet sich etwa 80 cm hinter dem Kegelstand eine Fangwand. Platzbahnkegeln findet üblicherweise im Freien statt.
[Bearbeiten] Geschichte
Das Kegelspiel ist eine der bekanntesten und ältesten Sportarten, deren Geschichte vielerorts falsch beschrieben und ausgelegt wird.
[Bearbeiten] Antike und Germanenzeit
Fest steht, dass der Ursprung des Kegelns bis zur Hochkultur der alten Ägypter zurückreicht. Bei archäologischen Ausgrabungen fand man Teile eines Kinder-Kegelspiels aus dem Jahre 3.500 vor unserer Zeitrechnung und Wandreliefs in Grabstätten. Das heutige Kegeln dürfte seine Urform im Spiel der germanischen Stämme (Steinzielwerfen auf drei, sieben oder neun Kegel-Knochen) haben.
[Bearbeiten] Mittelalter
1157 wird in der Chronik von Rothenburg ob der Tauber Kegeln als weit verbreitetes Volksvergnügen geschildert. Seinerzeit stand indessen nicht der sportliche Aspekt im Vordergrund, sondern Menschen waren von den Wetten fasziniert, die dabei abgeschlossen wurden.
Aus Xanten am Niederrhein stammt eine Handschrift von 1265, die belegt, dass dort eine Kegler-Gilde bestand. Die Aufnahmegebühr musste in Naturalien entrichtet werden. Weitere Chroniken und alte Schriften sprechen davon, dass es beim Kegeln offene Regeln gab. Mal wurde auf einen Gegenstand (Kegel?), dann auf mehrere (bis zu elf)geworfen oder gerollt.
Das mancherorts verfluchte Kegelspiel fand den ersten Eingang in gesellschaftliche Kreise, von denen man es nicht gerade erwartet hatte: In der Abgeschiedenheit der kirchlichen Klöster wurden plötzlich aus Klosterbrüdern Kegelbrüder. Dort wurde es zumeist „Heidentöten“ genannt.
Außerhalb der Klostermauern war das Kegeln zeitweise verboten, beispielsweise auch in England (1388 König Richard II). Erste Besitzer von eigenen Kegelbahnen waren die Kirchengemeinden in Deutschland. Zur Zeit der Reformation versuchten die protestantischen Obrigkeiten, die herrschenden Kegelsitten zu ordnen. Eine dieser ersten Reformen war 1529 in Basel das Verbot des vormittäglichen Kegelns an Sonn- und Feiertagen. Regional und zu unterschiedlichen Zeiten wurde das Kegelspiel in Deutschland wiederholt von den Behörden verboten. Als das Kegeln wieder erlaubt war, wurde ausschließlich in die Vollen gespielt, doch da das Aufstellen der Kegel den Kegeljungen zu anstrengend war, wurde erst wieder aufgestellt, als alle neun Kegel „umlagen“. Das war der Beginn des Abräumspiels.
[Bearbeiten] 18./19. Jahrhundert
Bis ins 18. Jahrhundert wurde ausnahmslos im Freien gespielt, es fehlte auf keinem Jahrmarkt und auf keiner größeren Hochzeit. Dabei traten die sportlichen Ehren in den Hintergrund, und es ging oftmals um Gut und Geld. Zuweilen wurde man gewalttätig, es wurde auch getrunken. Es wird aber auch berichtet, dass das öffentliche Kegelspiel auf den Volksfesten seine harmlose Form behielt.
1786 schrieb der Berliner Mediziner und Gelehrte Johann Georg Krünitz in seinem Lexikon erstmals von „13 Regeln für das Kegelspiel“, die teilweise heute noch gelten, etwa dass nicht übergetreten werden darf und die Kugel vor einer bestimmten Markierung aufgesetzt werden muss. Die klassischen Dichter Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe waren eifrige Anhänger des Kegelns.
Die deutschen Auswanderer brachten das Kegeln in ihre neue Heimat mit. Schon bald gab es die süddeutschen Lattenbahnen im Banat, in Siebenbürgen und in der Herzegowina. In Brasilien und sogar in Australien wurden Scherenbahnen gebaut. Auch englische und niederländische Einwanderer brachten das Kegelspiel in die Neue Welt.
In den USA war das Kegeln sehr schnell weit verbreitet. Hier kam es auch mit dem Gesetz in Konflikt, und das Verbot von 1837 in Hartfurt/Connecticut sollte der Legende zufolge Kegelgeschichte schreiben: Da nun das Spiel auf neun im Quadrat angeordnete Kegel verboten war, kam man auf den Gedanken, die Kegel im Dreieck anzuordnen und um einen zehnten Kegel zu ergänzen. Dies soll die Geburtsstunde des heute weit verbreiteten Bowlingspiels gewesen sein.
Zur Entstehung des Kegelspiels mit zehn Kegeln existiert noch eine weitere Version. Zum Zeitpunkt des Verbotes sollen bereits Bahnen mit zehn Kegeln existiert haben. Auch in Europa wurde im Laufe der Zeit auf Bahnen mit unterschiedlicher Kegelzahl gekegelt. Wer die englische „Skittle Alley“ (= Kegelbahn) kennt, wird zudem leicht feststellen, dass auch sie Vorläufer des heutigen Bowling sein könnte und es vielleicht eher war als die aus Deutschland stammende Lattenbahn. Dafür spricht die Tatsache, dass sich bis heute in den USA eine Sonderform des Bowlings erhalten hat: Das Candlepin-Bowling. Die dabei verwendeten Kegel sind und waren in Deutschland unbekannt, in England werden ähnliche Kegel bis heute verwendet. Diesen Verboten und Dekreten zum Trotz, wurde das Kegeln Anfang des 18. Jahrhunderts von den feinen Herrschaften der damaligen Zeit gepflegt und stand in der sportlichen Betätigung hoffähiger Vergnügen ganz oben an.
Die Umwälzungen in den abendländischen Kulturen in der Mitte des 19. Jahrhunderts brachten auch die Gründung erster fester Kegelgemeinschaften mit sich. Das Hauptaugenmerk lag zunächst in der Unterstützung bedürftiger Menschen, doch schon bald trat mehr und mehr der sportliche Gedanke in den Vordergrund - das Sportkegeln war geboren.
1885 wurde die organisatorische Grundlage für den deutschen Kegelsport in seiner heutigen Form geschaffen: Im sächsischen Dresden wurde der „Zentralverband deutscher Kegelklubs“ ins Leben gerufen. In diese Zeit fällt auch die Ausübung des Kegelsports nach einem einheitlichen Regelwerk und auf genormten Bahnen in geschlossenen Räumen. 1887 erfolgte die Umbenennung der nationalen Dachorganisation in „Deutscher Keglerbund“ (DKB).
[Bearbeiten] 20. Jahrhundert
Mit rasanter Geschwindigkeit verbreitete sich das Sportkegeln an der Zeitenwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Nach der Gründung des DKB in Deutschland kam es auch in vielen anderen europäischen Staaten und in Nordamerika zur Gründung nationaler Kegelverbände. Der Erste Weltkrieg führte dazu, dass der interne Aufbau des DKB erst in den 1920er Jahren abgeschlossen werden konnte. 1923 fanden die ersten Deutschen Meisterschaften auf der Asphalt- und Bohlebahn statt.
1924 entstand in Chemnitz der „Deutsche Arbeiter-Keglerbund“, welcher im Laufe seiner Geschichte bis zu zehntausend Mitglieder hatte. 1933 wurde dieser Verband im Zuge der „Gleichschaltungspolitik“ der nationalsozialistischen Machthaber aufgelöst.
1926 wurden erstmals die Deutschen Meisterschaften auf der I-Bahn (Bowling) ausgetragen. Im selben Jahr kam es zur Gründung der International Bowling Association (IBA), die sich während des Zweiten Weltkrieges auflöste. Schon 1947 traf man sich in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, um über die Zukunft der IBA zu reden.1952 schlossen sich von neun westliche nationalen Verbände zur „Fédération Internationale des Quilleurs“ (FIQ) zusammen, die seither alle vier Bahnarten einschließlich Bowling vertritt. Bereits 1953 traten mehrere nationale Verbände der Staaten des Warschauer Paktes, darunter auch die Deutsche Demokratische Republik, der FIQ bei.
1973 fasste der FIQ-Kongress, auf dem mittlerweile mehr als sechzig Nationen vertreten waren, die kegelsportlichen Aktivitäten organisatorisch zu untergliedern. Dies war die Geburtsstunde der World Ninepin Bowling Association (WNBA), die alle Länder und Verbände vertritt, die das Kegeln auf neun Kegel betreiben (Asphalt/Classic, Bohle und Schere), und der World Tenpin Bowling Association (WTBA), die alle Bowling spielenden Länder und Verbände vertritt.
1979 erklärte die 81. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in Montevideo den internationalen Kegel- und Bowlingverband für olympiawürdig. Anfang der 1980er Jahre hatte die FIQ über 93 Mitgliedsverbände mit weltweit über elf Millionen Mitgliedern im Bereich des Kegel- und Bowlingsports.
[Bearbeiten] Verbände im deutschsprachigen Raum
Die deutschen Sportkegler sind im Deutschen Kegler- und Bowlingbund (DKB) organisiert, der sich in vier Disziplinverbände (entsprechend den Bahnarten) gliedert: Deutscher Bohle-Kegler-Verband (DBKV) für den Kegelsport auf Bohlebahnen, Deutscher Schere-Keglerbund (DSKB) für die Schere-Aktivisten, Deutscher Keglerbund-Classic für Classic/Asphalt (DKBC) und die Deutsche Bowling-Union (DBU) für die Bahnart Bowling. In Österreich ist der Österreichische Sportkegel- und Bowling-Verband (ÖSKB), in der Schweiz und in Liechtenstein der Schweizerische Sportkegler-Verband (SSKV) Dachverband aller Sportkegler des Landes. In Belgien, das teilweise deutschsprachig ist, haben sich die Sportkegler zum Königlich-Belgischen Keglerverband (KBKV) zusammengefunden.
In der Schweiz gibt es noch eine Besonderheit: Die Schweizer Freien Kegler (Leitsatz: „Kegeln als Spiel mit sportlichem Ziel, Pflege der Kameradschaft und Geselligkeit“) sind in der Schweizerischen Freien Keglervereinigung (SFKV) organisiert. Die SFKV ist der grösste Dachverband der Schweiz und umfasst 21 Unterverbände, welche selbständige Verwaltungen sind, auch gibt es einen Kantonalen Verband des Kantons Bern.
[Bearbeiten] Bedeutung
Ein deutliches Symbol dafür, dass Kegeln und Bowling international an Bedeutung gewonnen haben, sind drei bedeutende Ereignisse im Jahr 2005:
Vom 14.-21. Mai 2005 wurden in Hagen (Westfalen) die XII. Europameisterschaften im Sportkegeln auf Scherenbahnen mit Teilnehmern aus zwölf Nationen ausgetragen. Vom 29. Mai bis zum 04. Juni 2005 fanden in Novi Sad (ehemals Neusatz) in Serbien-Montenegro die XXVI. Weltmeisterschaften im Sportkegeln auf Classic-/Asphaltbahnen statt.
Das Weltsportereignis schlechthin fand im Sommer 2005 in Duisburg und den Partnerstädten Bottrop, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr statt: Vom 14.-24. Juli 2005 wurden dort die World Games mit 3.500 Sportlern aus 100 Nationen ausgetragen. Schirmherren des spektakulären Leistungsvergleiches in 177 Disziplinen, darunter die Präzisionssportarten Kegeln und Bowling, waren das Internationale Olympische Komitee / IOC und der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
[Bearbeiten] Sportkegeln im Bereich Classic
[Bearbeiten] Allgemeines
Sportkegeln wird im allgemeinen als Mannschaftssportart gespielt. Eine Mannschaft besteht aus sechs Spielern in manchen unteren Klassen auch vier Spieler. Auch werden Einzel- Paar- und Mixed-Meisterschaften abgehalten. Neu dazugekommen sind Tandem- und Sprintbewerbe, die im KO System gespielt werden.
[Bearbeiten] 100/200 Wurf im DKB
Das im DKBC (also dem Classic-Bereich des DKB) betriebene Spielverfahren gliedert sich in Mannschaftsspiele zu je sechs Spielern (außer in der untersten Klasse, in der mit je vier Spielern gespielt wird). Bei Damen- und in den unteren Herrenklassen werden pro Spieler/in 100 Wurf über zwei Bahnen, ab der Kreisliga (bzw. Bezirksklasse) werden bei den Herren pro Spieler 200 Wurf über vier Bahnen gespielt. Ein Durchgang ist zeitlich auf 20 Minuten begrenzt. Jeder Spieler/in absolviert pro Bahn 50 Wurf kombiniert (25 Wurf in die Vollen und 25 Wurf Abräumen) wobei zuerst auf die Vollen gespielt wird. Nach einem Durchgang wechselt der Spieler mit seinem Gegner die Bahn. Sein Ergebnis wird auf die jeweilige Bahn übertragen. Alle Spielergebnisse von allen sechs oder vier Spieler werden zusammengezählt und dem Gegner gegenübergestellt. Gewonnen hat jene Mannschaft, die mehr Kegel hat. Unentschieden ist bei Kegelgleichheit. Weiterhin werden neben den Mannschaftsmeisterschaften in jedem Jahr auch Einzelmeisterschaften im DKBC zur Ermittlung der deutschen Einzelmeister durchgeführt. Hierbei müssen sich die Einzelspielerinnen und -spieler über Kreis-, Regional- und Landesmeisterschaften für das Finale qualifizieren.
[Bearbeiten] 120 Wurf International
International und in den meisten anderen Europäischen Ländern wurden 120 Wurf kombiniert (30 Wurf je Bahn : 15 Wurf Volle, 15 Wurf Abräumen) über vier Bahnen mit sechs Spieler eingeführt. Gewertet wird Mann gegen Mann. Die 120 Wurf werden von Damen und Herren in allen Altersklassen gespielt ! Der Heimverein beginnt immer auf den ungeraden Bahnen. Nach jedem Durchgang (Satz), der zwölf Minuten dauern darf, wird ein Satzpunkt ausgespielt. Bei Kegelgleichheit gibt es einen halben Punkt für jeden Spieler. Danach wird die Bahn gewechselt. Nach vier Durchgänge bekommt der Spieler mit mehr Satzpunkten einen Mannschaftspunkt. Bei Satzgleichstand 2:2 bekommt der Spieler mit mehr Kegelanzahl den Mannschaftspunkt. Ist bei Satzgleichstand auch die Kegelanzahl gleich, so bekommt jeder Spieler einen halben Mannschaftspunkt. Zusätzlich gibt es für die Mannschaft mit mehr Gesamtkegeln zwei Mannschaftspunkte. Bei Kegelgleichheit jede Mannschaft einen Mannschaftspunkt. Anschließend werden die Mannschaftspunkte (sechs Spieler + Mannschaft) zusammengezählt. Insgesamt werden acht Mannschaftspunkte ausgespielt. Es ist daher ein Sieg von 8:0 bis 4,5:3,5 möglich sowie ein Unentschieden bei 4:4 Mannschaftspunkte. In die Tabelle bekommt der Sieger zwei Punkte, bei Unentschieden einen Punkt, der Verlierer null Punkte. Als zweite Wertung bei Punktegleichstand (Torverhältnis) werden auch die Mannschaftspunkte und die Satzpunkte in die Tabelle eingetragen.
Durch die Einführung der 120 Wurf wollte man ein einheitliches Spielsystem einführen, dass von allen Sportkegl in allen Altersklassen gespielt wird, da jedes Land verschiedene Wurfdistanzen und Punktesysteme hatte. Weiters wollte man die Spannung erhöhen, da bei jedem Satz bereits ein Punkt ausgespielt wird und eine Mannschaft auch mit mehr Gesamtkegel das Spiel verlieren oder unentschieden beenden kann.
Die 120 Wurf werden auch international bei Weltmeisterschaften, Europapokal, Einzelweltpokal, Championaten usw. gespielt.
Insgesamt gibt es 115.000 Classic-Kegler weltweit. Davon 82.000 aktive Spieler in Deutschland. Der Weltverband der Classic-Kegler (NBC) versucht entgegen den Wünschen der Mehrheit der Spieler in Deutschland, dieses System per Beschluss einzuführen. Da sich der Deutscher Keglerbund Classic (DKBC) gegen einen Eingriff in die nationale Hoheit wehrt, war Deutschland mehrfach international gesperrt. Bei den Weltmeisterschaften 2006 konnte Deutschland seine Spitzenstellung sofort wieder untermauern. Im Februar 2007 wurde vor einem Gericht in Wien ein Vergleich geschlossen, der besagt, dass die deutschen Kegeler bei ihrem System bleiben können, jedoch ein Play-Off nach internationalem System spielen müssen, um international bei den Pokalwettbewerben startberechtigt zu sein.
[Bearbeiten] Kegel
Derzeit werden im Aktivenbereich zwei unterschiedliche Kegelformen gespielt: Der gerade geschnittene 2000-Kegel und der bauchige Top-Kegel. Die Wahl der Kegelform, welche auf einer Kegelbahn zum Einsatz kommt, kann während der Saison geändert werden solange auf allen Bahnen die gleichen Kegel eingebaut sind. Aktuell (2006) werben Hersteller und manche Verbände für den bauchigen Top-Kegel, da mit diesem ein besserer Kegelfall und bessere Schlagergebnisse verbunden sein sollen. Außerdem reduzieren sich die „Durchläufer“(ein Schub der zwischen allen Kegeln durchläuft) mit der Jugendkugel.
[Bearbeiten] Ergebnisse, Holzzahlen
Die Ergebnisse (Kegelsumme oder auch Holzzahl, da ein gefallener/umgeworfener Kegel als ein Holz gerechnet wird) im (Sport)kegeln hängen von vielen Faktoren ab, die gemeinsam zusammenspielen und auf die sich ein (Sport)kegler einzustellen hat. Die wesentlichen Faktoren sind: die Kegelform (tatsächlich hat sich herausgestellt, dass durch den Top-Kegel im Allgemeinen bessere Zahlen möglich sind), die Bahnpflege (durch das Aufbringen von Gleitmitteln gemäß Reglement kann das Schlagverhalten maßgeblich verbessert werden), der Kugel-Lauf (Gerade, Bogen, Drall) usw. Entscheidend ist daher, wie gut sich ein Spieler auf eine Kegelbahn einstellen kann.
Durch die genannten Faktoren können die erzielten Einzelergebnisse teilweise stark voneinander abweichen. Die folgenden Zahlen sind also als grobes Mittel zu verstehen.
Am Ende eines Spiels erreicht ein durchschnittlicher Spieler auf 100 Wurf etwa 400-450 Holz.Auf Bohlebahnen beträgt die durchschnittliche Holzzahl eines Sportkeglers 700 Holz. Ein durchschnittlicher Spieler erreicht auf 200 Wurf etwa 850-950 Holz, sehr gute Spieler erreichen hier 1050 Holz und mehr. Jedoch sind auch mehr Holz bei Bundesligaspielern möglich und werden auf guten Bahnanlagen (s.o.) des öfteren erreicht.
Bei 120 Wurf erreicht eine durchschnittliche Spielerin etwa 520 Holz, der Weltrekord liegt aktuell bei 694 Holz; ein Sportkegler (Bohle) etwa 840 Kegel.
[Bearbeiten] Ligen
DCL (Deutsche Classic Liga) - Bundesliga Ost / West - 2. Bundesliga Ost / Nord / West / Süd - „Bayernliga“ (Bundesländer!!) - Landesliga Nord / Süd - Regionalligen (meistens zwei Regierungsbezirke zu einer Liga zusammengeschlossen) - Bezirksoberliga - Bezirksklasse Nord / Süd / Ost / West - Kreisoberliga - Kreisliga - Kreisklasse A - Kreisklasse B- Kreisklasse C (6 Spieler und zum Teil auch gemischte Mannschaften) Deutsche Mannschaftsmeiter: Jahr Damen 2008 SKC Viktoria Bamberg 2007 SKC Viktoria Bamberg 2006 SKC Viktoria Bamberg 2005 SKC Viktoria Bamberg 2004 SKC Viktoria Bamberg 2003 SKC Viktoria Bamberg 2002 SKC Viktoria Bamberg 2001 SKC Viktoria Bamberg 2000 SKC Viktoria Bamberg 1999 KSC 1961 Viernheim 1998 Dresdner SV 1910 1997 Blau-Weiß Hockenheim 1996 KSC 1961 Viernheim 1995 KSC 1961 Viernheim 1994 KSC 1961 Viernheim 1993 DSKC Eppelheim 1992 KSC 1961 Viernheim 1991 KSC 1961 Viernheim 1990 TSV Schott Mainz 1989 DSKC Eppelheim 1988 DSKC Eppelheim 1987 TSV Schott Mainz 1986 ESV 51 Pirmasens 1985 TSG 61 Kaisersleutern 1984 1.FKC Wolfsburg 1983 1.FKC Wolfsburg 1982 Komwt Wiesbaden 1981 KSVg Stuttgart-Nord 1980 Alt Heidelberg 1979 Komet Wiesbaden
Jahr Herren 2008 SKV Rot-Weiß Zerbst 2007 SKV Rot-Weiß Zerbst 2006 SKV Rot-Weiß Zerbst 2005 SKC Viktoria Bamberg 2004 SKC Viktoria Bamberg 2003 SKC Staffelstein 2002 SKC Viktoria Bamberg 2001 SKC Viktoria Bamberg 2000 SKC Viktoria Bamberg 1999 Frei-Holz Plankstadt 1998 Vollkugel Eppelheim 1997 SKC Viktoria Bamberg 1996 Frei-Holz Plankstadt 1995 Frei-Holz Plankstadt 1994 Frei-Holz Plankstadt 1993 SKC Viktoria Bamberg 1992 SKC Viktoria Bamberg 1991 Rot-Weiß Sandhausen 1990 SKC Viktoria Bamberg 1989 Rot-Weiß Sandhausen 1988 Olympia Mörfelden 1987 Olympia Mörfelden 1986 Olympia Mörfelden 1985 Olympia Mörfelden 1984 Vollkugel Eppelheim 1983 Vollkugel Eppelheim 1982 Vollkugel Eppelheim 1981 Vollkugel Eppelheim 1980 Vollkugel Eppelheim 1979 Rot-Weiß Sandhausen
[Bearbeiten] Sportkegeln im Bereich Schere
[Bearbeiten] 120 Wurf beim Scherekegeln
Sportliches Kegeln in der Sektion Schere, setzt sich aus zwei grundsätzlichen Spieltechniken, dem Spiel in die Vollen und das Abräumspiel, zusammen. Beim Spiel in die Vollen hat der Sportler bei jedem Wurf ein komplettes Kegelspiel, in der Fachsprache auch Bild genannt, auf das er spielt. Gewertet wird bei vorgeschriebener Wurfzahl, die Zahl der abgespielten Kegel. Demgegenüber muss der Spieler beim Abräumspiel – wie der Name schon aussagt – solange auf die Kegel spielen, bis alle abgespielt worden sind. Lediglich der Mittelkegel, König genannt, darf stehen bleiben. Dies alles geschieht mit Gassenzwang. Auf den ungeraden Bahnen wird mit der linken Gasse Volle, auf den geraden mit der rechten Gasse Volle begonnen. Nach 15 Wurf folgt dann das Abräumen in die andere Gasse statt. Sowohl das Spiel in die Vollen als auch das Abräumspiel ist sehr variantenreich, da keine Scherenbahn gleich ist wie die andere. Der Kegler ist daher gezwungen, sich bei wechselnden Kegelbahnen immer wieder an die besonderen Verhältnisse der Kegelbahn anzupassen um sein Ziel, viele Kegel abzuspielen, zu erreichen. Dies kommt davon, weil jede Bahn eine andere Kehlung hat, da jede Bahn irgendwann einmal von Hand gehobelt und geschliffen wird.
Gespielt werden im Wettkampfbetrieb, in der Sektion Schere ab dem 14. Lebensjahr, 120 Wurf Kombiniert. Dies Bedeutet, dass auf jeder Bahn 30 Kugeln geworfen werden, davon sind jeweils 15 Volle und 15 Abräumen. Bei dieser Spielpraxis gilt 700 landläufig als Schnitt, doch wer in höheren Klassen spielen möchte, der muss auch höhere Zahlen werfen, also 800 und mehr. In der Bundesliga werden oftmals 900 Pins geworfen. Der Weltrekord (kann nur bei Weltmeisterschaften geschlagen werden) liegt zwar bei 962, in der 1. Bundesliga warf Holger Mayer (einer der besten deutschen Kegler) allerdings am 3. November 2007 1010.
[Bearbeiten] Kegel
Im Bereich Schere konnte sich der bauchige Kegel nicht durchsetzen, da der Faktor Glück extrem zunahm. Und da der 2000-Kegel ordentlich fällt, wird dieser auf fast allen Bahnen weitergespielt.
[Bearbeiten] Kegeln als Freizeitbetätigung
[Bearbeiten] Allgemeines
Im Classic-Bereich unterscheidet man Breitensportkegeln und Freizeit- oder Hobbykegeln. Breitensportkegler sind seit 2006 im DKBC organisiert und messen sich wie die Sportkegler in Ligen, auf Landes- und Deutschen Meisterschaften. 2007 wurde die erste Europameisterschaft ausgerichtet, 2008 wird es einen Europapokal geben, Veranstalter der EM und des Europapokals ist die Europäische Breitensport-Freizeitkegel Union (EBFU). Der Unterschied zu den Sportkeglern besteht lediglich dadurch, dass Breitensportkegler anstelle der Vollkugeln auch mit Lochkugeln spielen dürfen und die Ligen meist auf regionaler Ebene ausgetragen werden. Außerdem werden im Breitensport maximal 100 Kugel gespielt. Landesligen oder eine Bundesliga gibt es (noch) nicht. In Bayern wird ein überregionaler Wettbewerb, der Bayernpokal ausgespielt. Als Veranstalter agiert hier der Bayerische Sportkeglerverband (BSKV), Ausrichter ist die Vereinigung Bayerischer Freizeitkegler (VBFK).
Beim Freizeitkegeln stehen nicht wie beim Breitensport- oder Sportkegeln die sportliche Betätigung und der Wettkampf im Mittelpunkt, sondern vor allem die Geselligkeit und der Spaßfaktor. Freizeitkegeln ist daher strikt vom Breitensport- oder Sportkegeln zu trennen. In vielen Orten haben sich Männer und/oder Frauen zu Freizeit-Kegelklubs zusammengefunden. Zumeist wird eines oder mehrere aus der Vielzahl von Kegelspielen gespielt, und bestimmte Würfe wie „Pumpen“ („Pudel“, „Ratten“ = Nullwürfe), „Klingel“ („Kranz-Acht“, Neunerwurf), „Verpasster Einsatz“ usw. werden mit finanziellen Strafen belegt, um so Treffen und Ausflüge zu finanzieren.
Berühmt in diesem Zusammenhang sind die oft mehrtägigen Ausflüge der Freizeitkegler, die sich selbst als „Kegelbrüder“ (oder „-schwestern“) bezeichnen, die gemeinhin als „Kegeltouren“ bekannt sind.
[Bearbeiten] Sonderregel: Holzpflicht
Die Holzpflicht ist eine Sonderregel beim Freizeitkegeln. Bei manchen Spielen ist es von Nachteil, eine bestimmte Anzahl von Kegeln zu werfen. Damit der Spieler deshalb nicht mit Absicht einen Pudel (in die Rinne neben der Bahn) wirft, muss er solange werfen, bis er mindestens ein Holz getroffen hat.
[Bearbeiten] Literatur
- Wilhelm Pehle (im Auftrag des Deutschen Keglerbundes): Der Kegelsport, Verlag Grethlein & Co., Leipzig und Zürich 1929
- Horst A. Haas: Kegeln nach neuen Regeln, Humboldt-Taschenbuch-Verlag Jacobi, München 1974 und 1981 - ISBN 3-581-66243-4
- Otto Bleiß, Willibald Höpping, Dr. Herbert Lehnert, Walter Popp, Kurt Scheermesser, Karlheinz Schmidt: Kegeln, Sportverlag, Berlin (Ost) 1982
- Deutscher Keglerbund: Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Deutschen Keglerbundes, Druck- u. Verlagsgesellschaft Rudolf Otto, Berlin 1985
- Gerhard Gromann: Fit mit Kegeln, Falken-Verlag, Niedernhausen 1988 - ISBN 3-8068-2301-4