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Gymnastik – Wikipedia

Gymnastik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Dieser Artikel erläutert die Sportart, die Gymnastik als Heilverfahren wird unter Heilgymnastik beschrieben.
Skulptur
Skulptur

Die Gymnastik (griechisch γυμναστική, von gymnázein - üben, turnen) ist die Kunst der Leibesübungen. Sie werdenso genannt, weil derartige Übungen bei den Griechen nackt (gymnós) ausgeführt wurden.

Das Wort bezeichnet:

  • das wissenschaftlich begründete und allseitig ausgebildete System der Pflege, Stärkung und Übung der Körperkräfte, *zweitens auch die Übung selbst.

Indem die Gymnastik ihren Zweck auf die allgemeine und gleichmäßige Ausbildung des Körpers richtet, unterscheidet sie sich von der Athletik, die den Körper durch einseitige Übungen zu einzelnen hervorragenden Leistungen schulen will, und von der Agonistik, die bei ihren Übungen vorzugsweise das Auftreten in Wettkämpfen im Auge hat.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Griechenland

Relief griechischer Penthatleten
Relief griechischer Penthatleten

Der Ruhm, die Gymnastik zuerst als Kunst betrieben zu haben nach bestimmten Regeln, den ganzen Körper zur höchsten Vollkommenheit zu bilden, gebührt den Griechen. Die Leibesübungen früherer Völker, namentlich der Perser, waren nur auf die Aneignung bestimmter Fertigkeiten gerichtet. Die Griechen aber, die in der Kalokagathie, der Vereinigung einer edlen Seele mit einem schönen Körper, das Ideal des Menschen sahen, erachteten die Bildung des Körpers für nicht minder wichtig als die der Seele und hielten es zu Homers Zeiten für beschimpfend, in der Gymnastik nicht erfahren zu sein.

Später wurde die Gymnastik zur Staatseinrichtung gemacht und ihr Betrieb durch genaue Gesetze geregelt. Dem freien Bürger war sie die notwendige Vorschule für den Kriegsdienst, zu dem er verpflichtet war. Sklaven war die Ausübung verboten. In Sparta wurden auch die Mädchen zu gymnastischen Übungen und demgemäß auch zu Wettkämpfen herangezogen. Aber nicht bloß einen wichtigen (in Sparta sogar den wichtigsten) Teil in der Erziehung der Jugend bildete die Gymnastik, auch die freien und in pekuniärer Hinsicht unabhängigen Männer übten sich bis in das Alter in den Turnschulen, erhielten sich dadurch die Rüstigkeit des Körpers.

Auch darf der belebende Einfluss nicht übersehen werden, den die plastische Kunst der Griechen aus der Gymnastik empfangen hat. In den Ringschulen und Gymnasien boten sich die nackten Körper in den verschiedensten Stellungen den Künstlern zum Studium dar. Dies trug auch mit zur Blüte der griechischen Plastik bei. Die Gymnastik der Griechen war, obwohl sehr verschieden, dem heutigen Turnen verwandt.

Schutzgötter der Gymnastik waren Herakles und Hermes.

[Bearbeiten] Übungen

Turnen als Wettkampfgymnastik
Turnen als Wettkampfgymnastik

Der feste Standort, auf dem bei ihr alle Übungen stattfanden war der Erdboden, und sie bediente sich dabei, im Gegensatz zum heutigen Turnen, so gut wie keines Geräts. Die einfachen und doch in ihrer weisen Verbindung alle Glieder des Körpers gleichmäßig ausbildenden Übungen der Griechen waren:

Diese fünf Übungen fasste man zusammen unter dem Namen des Pentathlon; dieselben fanden für die Knaben in der Palästra statt, als Bahn für das Laufen diente der Dromos; Jünglinge und Männer besuchten das Palästra und Dromos vereinigende Gymnasium .

[Bearbeiten] Vorbereitungen und weitere Übungen

Gymnastische Geräte in der Turnhalle
Gymnastische Geräte in der Turnhalle

Von öffentlichen Lehrern der Gymnastik in Griechenland wissen wir nichts, vielmehr übten sich die Knaben in den Palästren unter den Augen und nach den Weisungen der zuschauenden Bürger; vom Staat angestellte Gymnasiarchen, auch Pädonomen und Kosmeten genannt, führten die Oberaufsicht. Häufig aber auch vereinigte ein Privatlehrer (Pädotribe) die Kinder mehrerer Eltern und lehrte das bisher nur planlos Geübte in methodischer Folge.

Eine weitere Ausbildung gaben noch die Gymnasten. Die Übungen geschahen nackt. Vor denselben wurde der Körper mit Öl eingerieben, um die Glieder elastisch zu machen und vor zu starkem Schwitzen zu bewahren. Vor dem Ringen dagegen bestäubte man sich wieder mit Sand, um dem Gegner das Festhalten zu erleichtern. Nach den Übungen gaben große Bassins und Wannen Gelegenheit zur Reinigung des Körpers. In warmen und kalten Bädern bediente man sich des Striegels, um die Haut von Öl, Sand und Schweiß zu befreien.

Nach dem Bad wurde eine Einreibung des Körpers von besonders sachverständigen Männern, den Aleipten, vorgenommen und dabei der Körper, ähnlich wie es heute noch in türkischen Bädern geschieht, gewissen Reibungen und Reckungen unterworfen, um die Gesundheit zu kräftigen. Wenn auch die Teile des Pentathlon die Hauptübungen in den griechischen Palästren und Gymnasien bildeten, so waren sie doch nicht die einzigen. Bei dem Baden wurde das Schwimmen fleißig geübt und zu großer Vollkommenheit gebracht, in mehreren Staaten kam noch das Bogenschießen und Schleudern hinzu; vor allem aber ergötzte seit den Zeiten Homers das Ballspiel in den verschiedensten Arten jung und alt.

Nicht sowohl zur Gymnastik als in das Gebiet der Athletik gehörten die Übungen im Faustkampf (siehe Pygme) und im Pankration, obwohl sie später, als die Einsicht in das wahre Wesen der Gymnastik immer mehr verschwand, mit Ausnahme von Sparta allgemeine Aufnahme in die Gymnasien fanden. Durchaus aber wurde zur Gymnastik gerechnet die allerdings nur den reichen Jünglingen und Männern zugängliche Kunst des Wagenführens und Wettreitens. Für diese Übungen war der Hippodromos bestimmt. Schon im Homer lesen wir, wie der greise Nestor seinem Sohn Antilochos Ratschläge gibt, den mit zwei Rossen bespannten zweiräderigen Streitwagen glücklich um die Zielsäule der Rennbahn zu lenken; später fuhr man vierspännig. Wenn auch diese Übung nebst dem erst in nachhomerischer Zeit aufgekommenen Wettreiten für die Entwickelung der Kräfte nicht von großem Einfluss waren, so zeigten sie sich doch außerordentlich geeignet, einen sichern Blick und Geistesgegenwart zu verleihen.

[Bearbeiten] Wettkämpfe

Mit der Auffassung, dass die Gymnastik die Ausbildung des Körpers zum einzigen Zweck habe, stand das Wettkämpfen an den Festen der Götter nicht in Widerspruch. Galt es doch hier zu zeigen, wie weit man es in allen Künsten, die sich für einen freien Mann schickten, gebracht habe. (Näheres hierüber siehe Olympische Spiele, Pythische Spiele und Isthmische Spiele) Hier nur noch so viel, dass schon 720 v. Chr. bei den Olympischen Spielen der Schurz, mit welchem die Kämpfer bis dahin noch bekleidet waren, abgeschafft wurde, und dass die gymnastischen Übungen nicht einzeln zum Wettbewerb freigegeben wurden, sondern nur in ihrer Vereinigung zum Pentathlon.

Das Sinken der edlen Gymnastik geschah gleichzeitig mit dem Verfall der politischen Größe Griechenlands, also etwa seit dem Ende des Peloponnesischen Kriegs: mit der Freude an den politischen Verhältnissen sank auch das Interesse an dieser hervorragend politischen Institution; eine rohe Athletik gewann in den Gymnasien wie auf den Festspielen immer mehr die Oberhand.

[Bearbeiten] Rom

Mit der Unterwerfung Griechenlands 146 v. Chr. kam die Gymnastik nach Rom - vielfach geübt von den jungen Römern, jedoch gering geschätzt und geradezu gemissbilligt von den Männern der alten Zeit. Denn dem alten Römer, welchem es weniger um Ausbildung der Körperschönheit als um Kriegstüchtigkeit ging, und der im Krieg nicht durch stürmischen Angriff den Feind zum Weichen zu bringen suchte, sondern durch lange Märsche zu ermüden und dann im harten Kampf zu schlagen pflegte, schien die raue Feldarbeit nebst Reiten und Schwimmen hierzu der bessere Weg als die Übungen der Palästra. Dergleichen erschien ihm vielmehr als Verweichlichung. Allmählich jedoch fand die Gymnastik auch bei den Römern Aufnahme, ohne indes dieselbe Bedeutung für das Volksleben zu erhalten wie in Griechenland. Die Stelle der gymnischen Wettkämpfe vertraten bei ihnen Gladiatoren- und circensische Spiele.

[Bearbeiten] Germanen

Die altgermanischen Völker pflegten die Gymnastik, in der ihnen eigenen Art. Bei Caesar und Tacitus lesen wir von den außerordentlichen Leistungen der germanischen Jünglinge im Laufen und Springen; an den Mähnen oder Schweifen der Rosse sich anhaltend und nach den Umständen sich auf- und abschwingend, erschienen und verschwanden sie mit der Schnelligkeit Berittener, und ein Teutoboch schwang sich über mehrere Rosse hinweg. Tacitus erwähnt den Waffentanz nackter Jünglinge zwischen den scharfen Spitzen der Schwerter und Lanzen. Aus späterer Zeit ist bemerkenswert der Wettkampf Gunthers und Brunhildes im 7. Gesang des Nibelungenliedes, welcher außer dem Speerkampf auch den Weitwurf mit einem Stein und den Weitsprung umfasst.

Gymnastik in der Rekrutenausbildung (1917)
Gymnastik in der Rekrutenausbildung (1917)

[Bearbeiten] Mittelalter

Ein Wettlauf zwischen Siegfried und Hagen gab Gelegenheit zur Ermordung des ersten. Eine weit glänzendere Periode der germanischen Gymnastik beginnt in der christlich-germanischen Zeit, nachdem auf den Trümmern des Römerreichs neue Staaten und Gemeinwesen erstanden waren. Der deutsche König Heinrich I. war der Stifter jener ritterlichen Kampfspiele, der Turniere, die zugleich ein Erzeugnis sowie ein wirksames Darstellungsmittel ritterlicher Mannhaftigkeit und Tüchtigkeit im christlichen Mittelalter waren. Sie beanspruchen zu jener Zeit eine ähnliche gesellschaftliche Stellung und Bedeutung wie die gymnastischen Spiele im hellenischen Altertum.

[Bearbeiten] Karusselle

Als das Ritterwesen allmählich in Verfall geriet, traten minder ernste Wettspiele, die sogen. Karusselle, an ihre Stelle, die aber nicht sowohl kriegerische Kämpfe als Reiterkünste zur Anschauung bringen sollten. Obwohl fast ausschließlich der bevorzugte Adel und das Patriziat der bedeutenden Reichsstädte an den eben genannten Spielen sich beteiligten, so entbehrten doch auch die niederen Stände, Kleinbürger und Bauern, der mit gymnastischen Leistungen (wie Ringen, Laufen, Werfen, Klettern etc.) verknüpften Festlichkeiten nicht. Nachdem aber der Gebrauch des Schießpulvers die Kriegsführung ganz umgestaltet hatte, kamen jene ritterlich-gymnastischen Übungen und Spiele, die ihre Bedeutung als Vorbereitungen zum ernsten Krieg und als Nachahmungen desselben verloren hatten, mehr und mehr außer Gebrauch.

Moderne Figurengymnastik
Moderne Figurengymnastik

Nur einzelne Überreste der alten ritterlichen Gymnastik erhielten sich in manchen Kreisen und wurden teils durch die Einwirkung der Mode, teils zu Wahrung der persönlichen Ehre und Tüchtigkeit abgewandelt und kunstgerecht ausgebildet, wie die Fechtkunst. Andere Disziplinen bestanden deshalb fort, weil es, abgesehen vom Kampf, entweder sonstigen Bedürfnissen oder auch dem Vergnügen diente, so z.B. das Reiten (aus dessen Vorübungen sich das besonders auf den Universitäten und Kriegsschulen geübte Voltigieren, d.h. Springen an einem nachgebildeten Pferd oder auch an einem Tisch, entwickelte), das Tanzen, Schlittschuhlaufen, Schwimmen, Rudern, Stelzengehen, das Ballspiel etc. Weitere Sportarten wie z.B. das Vogel- und Scheibenschießen mit Büchse und Armbrust, das Sackhüpfen, das Mastklettern, das Faustkämpfen auf beweglichen Balken, das Wettlaufen und Wettrennen, das Werfen in die Weite und nach einem Ziel etc. haben sich im Anschluss an Volksfeste zum Teil bis auf den heutigen Tag erhalten.

[Bearbeiten] Weiterentwicklung im 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Wiederbelebung der Gymnastik als einer allseitigen, systematischen, weder von zufälliger Gelegenheit abhängigen, noch im Dienst einzelner körperlicher Fähigkeiten stehenden, noch nur einzelnen Kreisen zugänglichen Leibesbildung ist die Geschichte des Turnens.

[Bearbeiten] Literatur

Aus der zahlreichen auf Gymnastik und Verwandtes sich beziehenden Literatur möge hier erwähnt werden:

  • Hieronymus Mercurialis Forlivensis, De Arte Gymnastica, 1569.
  • Krause, Die Gymnastik und Agonistik der Hellenen (Leipz. 1840-41, 2 Bde.)
  • Iäger, Die Gymnastik der Hellenen (Eßling. 1857; neue Bearbeitung, Stuttg. 1881)
  • Fr. Jacobs, Vermischte Schriften, Bd. 3 und 8 (Leipz. 1823-44)
  • Pinder, Über den Faustkampf der Hellenen (Berl. 1867)
  • K. F. Her-mann, Lehrbuch der griechischen Antiquitäten (neue Bearbeitung von Blümner, Bd. 4, Freiburg 1882)
  • Bintz, Die Gymnastik der Hellenen (Gütersloh 1877, mit ausführlichem Nachweis der Literatur).
Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.

[Bearbeiten] Zeitgenössische Literatur

  • Michler, Gymnastik – aber richtig! Informieren, mobilisieren, dehnen und kräftigen. (2006, www.gymnastik.at)

[Bearbeiten] Siehe auch

Wikiquote
 Wikiquote: Gymnastik – Zitate

[Bearbeiten] Weblinks

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