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Muhammad Abduh – Wikipedia

Muhammad Abduh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Muhammad Abduh (links) mit Prinz Muhammad Ali Effendi Tewfik
Muhammad Abduh (links) mit Prinz Muhammad Ali Effendi Tewfik
Muhammad Abduh in jungen Jahren
Muhammad Abduh in jungen Jahren

Muhammad Abduh (arabisch محمد عبده‎‎; * 1849 im Nildelta; † 11. Juli 1905 in Alexandria) war einer der wichtigsten Reformer des Islam in der ägyptischen Neuzeit. Er war Journalist, Religions- und Rechtsgelehrter sowie Großmufti von Ägypten. Sein wichtigster Beitrag zur islamischen Reformbewegung in Ägypten stellte die Vermittlung der Sicht auf den Islam als eine rationale Religion dar, die zu modernen Entwicklungen, wie Wissenschaften und Technik, keinesfalls im Widerspruch stehen müsse.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Muhammad Abduh wuchs in einer Bauernfamilie aus Unterägypten auf. Bevor er 1866 an der al-Azhar-Universität in Kairo studierte, besuchte er eine weiterführende Schule und eine Madrasa, wo er mit der mystischen Lehre der Sufis durch seinen Onkel Shaykh Darwīsh in Kontakt kam.[2]

1870 lernte er Dschamal ad-Din al-Afghani kennen, der ihm einen neuen Blick auf die traditionellen Lehrinhalte eröffnete. Von ihm übernahm er den Blickwinkel, dass sich Muslime zur gegenwärtigen Zeit vom wahren Islam entfernt hatten und daher wachsende Niederlagen gegenüber dem Westen eingestehen müssen. Außerdem wurde er von ihm an die europäische Literatur, Philosophie, Theologie, sowie Wissenschaften herangeführt, und lernte durch ihn, technischen und wissenschaftlichen Fortschritt im Westen anzuerkennen, während die westliche Lebensweise für die islamische Welt abzulehnen sei.[3] Durch seinen Lehrer angeregt und durch die Lektüre westlicher Literatur, veränderte sich Abduhs Blick für die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Probleme Ägyptens: Sein Ziel wurde es, Ägypten durch höhere Bildung und richtig gelebte Religiosität in die Moderne zu führen.[4]

1876 schloss er seine Studien mit dem Titel eines Gelehrten ab und lehrte anschließend - oftmals als Privatleher - Logik, Theologie, Ethik und Politik. 1878 wurde er Geschichtsprofessor an der Hochschule Dar al-ulum (arabisch: „Haus der Wissenschaften“), sowie später Professor für Arabisch an einer weiteren Hochschule. Abduh war auch als Journalist tätig, schrieb u.a. für die Zeitung al-Ahrām, in der er zu Bildungsreformen und dem Erlernen der modernen Natur- und Geisteswissenschaften aufrief.[5]

1879 ging er für kurze Zeit ins Exil, forciert wegen seines Widerstandes gegenüber eine ausländischen Fremdregierung. Ein Jahr später durfte er zurückkehren und wurde Herausgeber der offiziellen Regierungszeitung, al-Waqāʾiʿ al-Miṣriyya. Unter seiner Führung wurde die Zeitung zum Sprachrohr reformistischer Ideen, die außerdem die Befreiung der Muslime von europäischer Hegemonie und die Erneuerung des Islam aus eigener Kraft propagierte. Gleichzeitig wurde er Zensor aller ägyptischen Medien.[6]

1882 ergriff er bei einem nationalistischen Aufstand gegen die Regierung Partei für die Oppositionellen und musste daraufhin Ägypten verlassen. Über Beirut gelangte er 1884 nach Paris, wo er wieder auf seinen alten Lehrer Dschamal ad-Din al-Afghani traf. Zusammen begannen sie die reformistische Zeitschrift al-Urwa al-Wuthqa herauszugeben. Die Zeitschrift, die in Ägypten und Indien von den britischen Regierungsbeamten sofort verboten wurde, riefen beide die Muslime dazu auf, sich unter ihrer Religion gegen Fremdherrschaft zu vereinen und zurück zur wahren Religion der frommen Vorväter (as-salaf as-salih) zu finden. In Beirut schrieb er sein möglicherweise wichtigstes Werk, Risālat al-tauḥīd „Abhandlung über die Einheit Gottes“. [7]

Nach Aufenthalten in Tunis und o.g. Beirut kehrte er 1889 wieder nach Kairo zurück. Dort fand Abduh eine Anstellung als Kadi. Die Ernennung zum Großmufti von Ägypten 1899 war für Abduh eine große Auszeichnung. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod 1905 aus. In seiner Rolle als Großmufti verfasste er auch eine Reihe theologischer, juristischer und philologischer Schriften und begann außerdem die Arbeit an einem umfassenden Korankommentar, der auch in einer Zeitschrift veröffentlicht wurde. Dieser Kommentar löste einen Sturm der Entrüstung und Ablehnung bei anderen Gelehrten aus.

Muhammad Abduh starb am 11 Juli 1905 in Ägypten.

[Bearbeiten] Werk

Abduh trat zeit seines Lebens für die Synthese von westlichem Gedankengut und muslimischen Vorstellungen ein. Obwohl er bei vielen heutigen Salafisten als Apologetiker gilt, förderte er die Idee der Salafiyya, d.h. der Rückbesinnung auf den vorbildlichen Lebenswandel der Vorfahren. Er ist daher als wichtiger Denker in der Salafiyya Bewegung selbst zu sehen.

Abduh führte die Lehre seines Tutors Dschamal ad-Din Al-Afghanis fort, indem er dessen Überzeugung aufgriff, dass der Islam kein Hindernis für moderne Entwicklung, Technologie und Wissenschaft sei; Abduh war davon überzeugt, dass der Islam sogar die besten Voraussetzungen für Modernität besäße - Traditionalisten und Orthodoxie vor allem in der konnservativen Al-Azhar Universität vermittelten eine veraltete und teilweise falsche Version des Islam. Zeit seines Lebens setzte sich Abduh deshalb vor allem für Bildungseinrichtungen ein, in denen eine neue Religionsanschauung vermittelt werden sollte, was sich bis zu seinem Tod nicht verwirklichen ließ.[8]

Die allgemeine Schwäche der Muslime seiner Zeit führte er auf zwei Probleme zurück: (1) Unkenntnis über die eigene Religion bzw. falscher Glaube; (2) den Despotismus der Muslimischen Herrscher. Seiner Meinung nach konnten diese zentralen Probleme nur durch eine Rückbesinnung auf die wahre Religion (aṣl al-dīn al-islāmī), vor allem durch verbesserte Bildungssysteme, und eine Modernisierung alter Interpretationen der religiösen Orthodoxie. Er lehnte es ab, die Interpretationen und den Konsensus früherer Generationen von Rechtsgelehrten als einzig wahre Interpretation von Glaubensfragen zu akzeptieren, ebenso wie die blinde Nachahmung früherer Generationen (taqlid). Verbote wie das Tragen europäischer Hüte lehnte er ab, ebenso die Polygamie. Obwohl er in vielerlei Hinsicht eine liberale Sicht gegenüber Frauen vertrat, wollte er Frauen keine politische Macht zugestehen.[9]

Abduhs wichtigster Schüler war Raschid Rida. Während dieser einen konservativen Pfad einschlug, entwickelte Ali Abd Ar-Raziq Abduhs Ansätze weiter.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Definition nach Anke von Kügelgen: Abduh, Muḥammad. Encyclopaedia of Islam, THREE. Edited by: Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas and Everett Rowson.
  2. Muhammad Zaki Badawi: The reformers of Egypt. London: Croom Helm, c1978
  3. Kügelgen, Anke von. " ʿAbduh, Muḥammad." Encyclopaedia of Islam, THREE. Edited by: Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas and Everett Rowson. Brill, 2008
  4. Kedourie, E. (1997). Afghani and 'Abduh: An Essay on Religious Unbelief and Political Activism in Modern Islam, London: Frank Cass
  5. Kügelgen, Anke von. " ʿAbduh, Muḥammad." Encyclopaedia of Islam, THREE. Edited by: Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas and Everett Rowson. Brill, 2008
  6. Kügelgen, Anke von. " ʿAbduh, Muḥammad." Encyclopaedia of Islam, THREE. Edited by: Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas and Everett Rowson. Brill, 2008
  7. Kügelgen, Anke von. " ʿAbduh, Muḥammad." Encyclopaedia of Islam, THREE. Edited by: Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas and Everett Rowson. Brill, 2008
  8. Kedourie, E. (1997). Afghani and 'Abduh: An Essay on Religious Unbelief and Political Activism in Modern Islam, London: Frank Cass
  9. Kügelgen, Anke von. " ʿAbduh, Muḥammad." Encyclopaedia of Islam, THREE. Edited by: Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas and Everett Rowson. Brill, 2008.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Black, Antony (2001). The History of Islamic Political Thought. New York: Routledge. ISBN 0415932432.
  • Watt, W. Montgomery (1985). Islamic Philosophy and Theology. Edinburgh: Edinburgh University Press. ISBN 0-7486-0749-8.
  • Kedourie, E. (1997). Afghani and 'Abduh: An Essay on Religious Unbelief and Political Activism in Modern Islam, London: Frank Cass
  • Abduh, Muhammad. 1966. The theology of Unity. Tr. Ishaq Masa'ad and Kenneth Cragg. London: Allen & Unwin
  • Thomas Hildebrandt, Waren Ǧamāl ad-Dīn al-Afġānī und Muḥammad ʿAbduh Neo-Muʿtaziliten?, WI 42 (2002), 207–62
  • Andreas H. E. Kemke, Stiftungen im muslimischen Rechtsleben des neuzeitlichen Ägypten. Die shari'atrechtlichen Gutachten von Muḥammad ʿAbduh (st. 1905) zum Waqf, Frankfurt am Main 1991
  • Anke von Kügelgen, Averroes und die arabische Moderne, Leiden 1994
  • ʿAbdelḥamīd Muḥammad Aḥmad, Die Auseinandersetzung zwischen al-Azhar und der modernistischen Bewegung in Ägypten von Muhammad Abduh bis zur Gegenwart, Hamburg 1963
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